Mobilität

Wie Familie Feldmann den Stau besiegt

Minutenlang tönt es jeden Morgen aus dem Radio: Einige Kilometer Stau hier, eine Baustelle dort, zähflüssiger Verkehr, planen Sie 30 Minuten Verzögerung ein. Reflexartige Forderung: Neue Straßen müssen her. Nur zeigt die Erfahrung: Neue Straßen führen zu noch mehr Autoverkehr. Und damit zu noch mehr Staus. Schaut man in die Autos, sitzt darin oft eine Person – das muss doch schlauer gehen. Geht es auch – das zeigen gute Beispiele aus NRW und aller Welt. Wir haben sie zusammengedacht und wagen einen (fiktiven) Blick in die nicht allzu ferne Zukunft.

07:46 Uhr – Kita Regenbogen

Stephan Feldmann steigt vom Fahrrad. Kein gewöhnliches Fahrrad, sondern ein Lastenrad. Vor seinem Lenker: Genug Platz für seine Kinder Till und Marie. Vor einem Jahr hat er sie noch mit dem Auto zur Kita gebracht. Doch dann hat er erfahren, dass seine Stadt den Ankauf eines Lastenrads fördert. Seitdem ist Familie Feldmann viel seltener mit dem Auto unterwegs – denn auch der Weg zum Getränkemarkt ist jetzt problemlos mit dem Velo zu erledigen.

08:32 Uhr – Hauptbahnhof

Stephan Feldmann hat sein Lastenrad in der Radstation vor dem Bahnhof geparkt. Seit einiger Zeit läuft diese im 24-Stunden-Betrieb. So kann er sein Rad auch abholen, wenn es im Büro oder beim Kunden mal wieder länger gedauert hat. Ein paar Schritte bis zum Bahnsteig, dann kommt der Express­-Zug. Auf den Fahrplan hat Feldmann schon lange nicht mehr geschaut. Seine Mobilitäts-­App zeigt ihm ganz genau, wann der Zug kommt. Neuerdings fährt der im 15-Minuten-Takt, selbst kleine Verspätungen lassen sich so ertragen.

09:11 Uhr – Im Zug

Kurz vor dem Aussteigen informiert sich Stephan Feldmann in der App, wie er am besten zu seiner Kundin kommt. Ihm werden am Kleinstadt­-Bahnhof drei freie Elektro-­Leihautos angezeigt, eins reserviert er sich. Feldmann steigt aus, hält sein Handy an die Frontscheibe und schon öffnet sich mit einem „Klack“ die Fahrertür. Landesweit sind zahlreiche Mobilstationen entstanden, an denen man problemlos umsteigen kann: Vom Zug in den Bus, ins Leih-Auto und auf das Fahrrad – gern mit Elektro­-Unterstützung.

09:17 Uhr – Fachhochschule

Ungefähr um die gleiche Zeit kommt Stephans Frau Hazret an der Fachhochschule an. Sie steigt von ihrem E-­Bike. Damit ist sie kaum ins Schwitzen gekommen, obwohl es gute 15 Kilometer sind von ihrem Zuhause bis zur Hochschule. Den größten Teil der Strecke hat sie auf dem Radschnellweg absolviert, der vor zwei Jahren zwischen ihrem Wohnort und der Arbeitsstelle gebaut wurde. Fast ohne Ampeln, ohne starke Steigungen und ohne Konflikte mit den Autofahrern.

12:37 Uhr – Auf der Strasse

Nach dem Besuch bei der Kundin fährt Stephan mit dem E­-Auto zurück in seine Heimatstadt. Er muss die Kids aus der Kita abholen. Die App hat ihm vorab mitgeteilt, dass eine weitere Person für diese Strecke eine Mitfahrgelegenheit sucht. Kurzerhand hat Stephan den Mitfahrer an der Mobilstation abgeholt. Das spart beiden Kosten – und auf den Straßen ist ein Auto weniger unterwegs. Weil sich die Zahl der Mitfahrer drastisch erhöht hat, gibt es weniger Staus.

19:05 Uhr – Am Abendbrottisch

Am morgigen Samstag will Familie Feldmann die Großeltern in deren Heimatdorf besuchen. Noch ist nicht ganz klar, ob sie mit dem Auto oder mit der Bahn und anschließend dem Bus fahren. Immerhin ist das Dorf jetzt sogar an Wochenenden im Stundentakt erreichbar, früher kam der Bus selbst unter der Woche nur drei Mal am Tag. Und auch der Ticketkauf ist kein Problem mehr, dem neuen landesweiten Tarif und den Handy­-Tickets sei Dank. Letztlich setzen sich die Kinder durch, sie freuen sich auf den neuen Spiel­bereich im Zug, der das Bahnfahren auch in Regionalzügen für Familien attraktiver macht.

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