Global Greens

Grüne Visionen für ein geeintes Europa und die Eine Welt

Vom 30. März bis zum 2. April fand in Liverpool der 4. Kongress der Global Greens statt. Dabei waren ca. 2000 Teilnehmer*innen. Hier gibt es den Bericht unserer NRW-Delegation zu lesen.

Englands Norden empfängt uns mit einem wolkenverhangenen Himmel. In den Presseauslagen beschreit die Yellow Press in grellem Layout Brexit, auch die BBC kennt dieser Tage kaum ein anderes Thema. Wir fahren als NRW -Delegierte von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum gemeinsamen Kongress der European Green Party, der Global Greens und der Green Party of England and Wales in Liverpool. Das größte grüne Familientreffen, das je stattgefunden hat – mit mehr als 2000 Teilnehmenden aus allen Teilen der Welt.

Das Programm ist ebenso vielfältig wie die Gäste: von Demokratie über Klimawandel, von der Zukunft Europas über globale Queer-Politik, von Rechten indigener Bevölkerungsgruppen über gerechten Handel. Und immer wieder wird deutlich, dass die politischen Fragen, die uns Grüne aus Deutschland bewegen global sind, dass transnationale Identität und lokale Verbundenheit kein Gegensatz, sondern Teil einer neuen Form des Weltbürgertums sind. Es gibt auf der Welt zurzeit keine andere Bewegung, die mit einem vergleichbaren gemeinsamen politischen Kern und Markenzeichen – in Ozeanien genauso wie in Guatemala oder Schweden – versucht, Politik ökologisch und gerecht zu gestalten. Oder um es mit, Isabella Lövin (Schwedische Grüne) zu sagen: „We are at the beginning of a global Green revolution!“

Was wir alle von diesem Kongress mitgenommen haben, ist das Gefühl, Teil eines großen Ganzen zu sein, Aktive einer weltweiten Bewegung. Local Councillors Meetings zeigten, dass der mongolische Stadtrat genauso wie der Aachener gegen die Plünderung von Rohstoffen kämpft, hier Seltene Erden, dort Kohle. Das Thema „Anti-Atom“ ist auch bei den asiatischen Grünen zentral. Und die Auseinandersetzung mit der Neuen Rechten und das Eintreten für eine humanitäre Flüchtlingspolitik bedeutet für alle europäischen Grünen auf lokaler Ebene eine Herausforderung. Die alte Formel wurde erweitert „Think global, act local … AND GLOBAL“

Gleichzeitig werden ähnliche Politikfelder selbstverständlich unterschiedlich ausdekliniert. So hat politische Durchsetzungskraft in Ländern ohne Verhältniswahlrecht (z.B. USA) oder ohne funktionierende Demokratie ganz andere Dimensionen als in Deutschland oder Neuseeland. Auch hier gilt: wir spielen dieselbe Melodie, mit unterschiedlichen Instrumenten, verschieden interpretiert. Fragen nach dem Zustand der Demokratie angesichts eines global agierenden Kapitalismus wurden gestellt und von Christine Milne (Australische Grüne) in Ihrer Eröffnungsrede gefordert: „As greens we have to take democracy back from the corporations that have bought it.“

Die European Green Party verabschiedete am Sonntag, 2.04.17, ausführlich diskutierte und minutiös ausgehandelte Beschlüsse (Resolutions) zu Themen wie dem Krieg in Syrien, der Situation in der Ukraine, zu Gemeingütern, Zugverkehr oder Sozialpolitik in Europa. Als NRW-Delegation freuen wir uns besonders, dass ein Antrag von uns zum Ausstieg aus der Atomenergie einstimmig angenommen wurde. Abschließend wurde gemeinsam von European und Global Greens eine Liverpool Declaration verabschiedet.

Und last but not least schwebte natürlich über allem der Brexit. Mit Trauer, aber auch mit neuem Kampfesmut für Europa haben wir mit unzähligen britischen Grünen über populistische Kampagnen diskutiert, die Europa zum Sündenbock verfehlter Politik und sozialer Verwerfungen machen, aber auch festgestellt, wie nah wir uns sind und dass wir für dieselben Ziele streiten. Ein von Terry Reintke angestoßenes Programm wird auch in diesem Jahr für Austausch zwischen britischen und deutschen Grünen sorgen und wir sind uns sicher: You’ll never walk alone. Oder um es mit Caroline Lucas (Grüne England/Wales) zu sagen: „It’s not Europe we should turn our backs on, but those stoking the flames of fear and xenophobia.“

Und so brechen wir am Sonntagnachmittag müde, aber glücklich auf nach Hause, motiviert und voller Energie, um für die Grüne Sache zu kämpfen, in der Welt, in Europa und in NRW. Und siehe da, der Himmel reißt auf, ein kräftiger Wind weht von der irischen See und eine frische Frühlingssonne funkelt durch die Wolken.

Liebe Grüße von Eurer NRW-Delegation

Andrea Bauer

Ditte Gurack

Max Lucks

Dennis Pirdzuns

Wolfgang Rettich

Hans Schwanitz

Diana Siebert

Nyke Slawik

Alexander Tietz-Latza

Antje Westhues

Fotos der Veranstaltung

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