Politischer Aschermittwoch

Heiße Rhythmen, flache Zoten und große Koalitionen

Der Karneval ist vorbei und damit auch die schöne Zeit der derben Zoten und närrischen Sprüche. Könnte man meinen. Falsch Gedacht: Beim GRÜNEN Aschermittwoch in Köln ging’s nochmal richtig rund. Mittendrin unser Bundesvorsitzende Cem Özdemir, der Kabarettist Özgür Cebe, heiße Samba-Rhytmen und perlendes Kölsch.

Der große Saal im COMEDIA Theater in Köln war bestens gefüllt – rund 300 Gäste und fünf Kamerateams folgten unserer Einladung zum traditionellen politischen Aschermittwoch. Und das sollten sie nicht bereuen!

Denn schon vor dem eigentlichen Beginn war die Stimmung im Saal bestens. Grund dafür war die Samba Gruppe Pentaton Percussion Project, die – passend zum Mitmachcharakter unserer aktuellen Wahlkampagne – die Menge schon einmal mit Mitklatschnummern in Bewegung brachte.

Was folgte waren rund 90 Minuten beste Unterhaltung. Neben einer originellen Comedynummer des Kabarettisten Özgür Cebe, der auch Gedichte und Gesangseinlagen in Petto hatte und mit so einigen deutschen Vorurteilen spielte, knüpfte sich unser Bundesvorsitzender Cem Özdemir in seiner zotigen Rede die große Koalition vor und versuchte sich als anatolischer Schwabe – unter dem Gelächter des Kölner Publikums – tatsächlich auch kurz am Kölschen Dialekt.

„Ich spiele subtil mit Vorurteilen, weil – ich habe welche.“

Der humorvolle Auftritt des Kabarettisten Özgür Cebe, ein in Bielefeld geborener Rheinländer mit türkischen Wurzeln, strapazierte die Lachmuskeln der Zuschauer*innen aufs Härteste. Und das von der ersten Sekunde an, als er frech in Cems Richtung fragte: „Wie wird der Name eigentlich ausgesprochen?“

 

Äußerst humorvoll setzte er sich mit den gängigen Vorurteilen auseinander, die ihm selbst begegnen – aber auch mit denen, die er selbst pflegt. Auch typisch GRÜNE Themen, wie dem Vegetarismus, kamen nicht zu kurz: „Moslem und vegan? Das passt doch gar nicht zusammen – kein Schwein würde mehr Angst vor mir haben!“

Als das Publikum dann „Zugabe“ skandierte, musste sich Özgur Cebe von der Kölner Kreisvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Katharina Dröge nicht lange bitten lassen. Mit einem umgedichten Volksmusik-Medley, unter Anderem mit „Santa Scharia“ statt „Santa Maria“, brachte er die Menge zum Schunkeln und Mitsingen.

Von Wildsäuen und Gurkentruppen

Cem Özdemir beim Aschermittwoch 2014So war die Stimmung gerade richtig für unseren Bundesvorsitzenden Cem Özdemir, der sich in seiner launigen Rede für ein offenes Europa aussprach und sich auch nicht die Gelegenheit nehmen ließ, ordentlich mit der großen Koalition abzurechnen.

Nach einem eindringlichen Hinweis auf die zugespitzte Situation in der Ukraine und der damit einhergehenden Wichtigkeit eines offenen Europas, widmete sich Cem in seiner Rede vor allem den „Wildsäuen und Gurkentruppen“ und meinte damit nicht, wie von einigen vermutet, den Kölner Zoo, sondern den Zustand der großen Koalition.

Dafür fand er auch sogleich die passende Zustandsbeschreibung: „Inzwischen erinnert uns das Schauspiel zwischen den Regierungsparteien ein bisschen an die Wahnsinnsliebe zwischen Richard Burton und Elizabeth Taylor. Die hatten sich ja so gern, dass sie innerhalb von zehn Jahren gleich zweimal geheiratet haben – und sich aber auch zweimal trennten.“ Selbst die NSA würde während des Abhörens der Telefongespräche der Groß-Koalitionäre dazu wohl nur noch sagen können: „What the fuck is going on in Germany?“

Özgur Cebe beim Aschermittwoch 2014

Nach mühsam aufgebautem Vertrauen herrsche nun Misstrauen: „Die CSU hat ja ihr Misstrauen jetzt so beschrieben, dass sie beim Kauf eines Gebrauchtwagens von Sigmar Gabriel jetzt doch schon ganz genau hinschauen würde. Ich hätte mir gewünscht, dass die drei Regierungsparteien vor allem beim Schreiben des Koalitionsvertrages etwas genauer hingeguckt hätten. Da hat man sich gegenseitig ein paar Wohltaten gegönnt – dabei sind diese Wohltaten nichts anderes als faule Eier im Nest der jungen und auch nachkommenden Generationen.“

Und schließlich fragt Cem: „Wer ist die größte Dagegen-Partei in Deutschland? – Genau, die CSU. Regelmäßig vor anstehenden Wahlen mutiert die CSU zur Nein-Partei. Und das Objekt der Empörung wechselt so schnell, wie beim Seehofer die Meinung. Das neueste Beispiel: Seehofers lautstarker Protest gegen den Ausbau der Stromnetze“ – obwohl die CSU im Bundestag und Bundesrat zugestimmt und das bayrische Wirtschaftsministerium kürzlich selbst noch einen stärkeren Ausbau der Stromtrasse gefordert hatte.

Passend dazu versuchte sich Cem zum Abschluss seiner Rede am „Rheinischen Grundgesetz“ und beendete den Aschermittwoch mit Artikel 11: Do laachs de disch kapott.

Für starke Diplomatie und ein starkes Europa

„Das war ein richtig toller politischer Aschermittwoch – mit neuem Konzept, an neuem Ort und mit so vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wie noch nie“, fasste unser Landesvorsitzende Sven Lehmann den Tag zusammen.

„Während das politische Leben im Rheinland während der letzten Tage still stand, war es woanders nicht so. Deshalb war es uns wichtig, am heutigen Tag die Ukraine nicht zu vergessen. Unsere Antwort auf eine Krise wie diese muss eine starke Diplomatie und ein starkes Europa sein – ein Mehr an Europa und nicht weniger, wie es Rechts- und Linkspopulisten propagieren. Damit gehen wir in den anstehenden Europawahlkampf. Und auch im Kommunalwahlkampf werden wir unsere Grünen Ideen herausstellen. Am Aschermittwoch ist eben nicht alles vorbei.“

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