Schule

Jedes Kind braucht seine eigene Zeit

Wir wollen die Debatte um die Schulzeit (G8/G9) endlich an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen orientieren. Denn im Mittelpunkt einer zukunftsweisenden Debatte im Bildungssystem muss das optimale Lernen für jedes einzelne Kind stehen – ganz unabhängig davon, ob es ein Gymnasium besucht oder nicht.

Dazu braucht es ein Mehr an Flexibilität als das heute durch Sitzenbleiben oder dem Überspringen einer Klasse möglich ist. Individuelles Lernen, das wir Grüne seit Jahren vorantreiben, soll deshalb auch im Rahmen der Schule mehr Freiräume erhalten. Wer z.B. einfacher oder schneller dieses oder jenes lernt, könnte die Möglichkeit haben zügiger seine Schulzeit im Ganzen oder auch nur in einem Fach zu bestreiten. Wer noch etwas mehr Zeit braucht, sollte diese bekommen, ohne die Klasse oder gar die ganze Schule wechseln zu müssen.

Damit diese moderne Politik des Lernens an allen Schulen Realität wird, braucht es neue, innovative Ideen. Gemeinsam mit euch und Schülern, Eltern, Lehrern, Erziehern, Wissenschaftlern und Vertreter der Wirtschaft wollen wir die Möglichkeiten für ein Mehr an Flexibilität innerhalb eines stabilen Rahmens ausloten. Zum Wohle der Kinder und ohne die Schulen alleinzulassen. Sylvia Löhrmann macht dafür einen grundlegenden Reformvorschlag zur Flexibilisierung der Schulzeit.


Reformvorschlag von Sylvia Löhrmann

Der Streit um G8 und G9 wird von Teilen der Elternschaft und der Öffentlichkeit sehr emotional geführt und auch (partei-)politisch instrumentalisiert. Das wird dem Anspruch bester Bildung für alle Kinder nicht gerecht.

Ich schlage vor, jedem Kind eine an seine individuellen Voraussetzungen angepasste flexible Schulzeit zu ermöglichen.

Schule an Bedürfnissen der Kinder orientieren

Wer die Kinder und das Ziel der bestmöglichen Bildung für alle in den Mittelpunkt der Diskussion rücken will, wie wir Grüne das immer getan haben, muss von einer einfachen, aber immer wieder übersehenen Wahrheit ausgehen, und die heißt:

„Jedes Kind ist anders, jedes Kind hat eigene Wege, und jedes Kind braucht auch seine eigene Zeit.“

Deshalb fordere ich für die Debatte über die Schulzeit in Nordrhein-Westfalen eine neue Qualität und eine neue Kultur: Die nächste Reform darf keine Reform sein, die sich an Organisationsstrukturen orientiert. Die nächste Reform muss eine sein, die sich an den vielfältigen Bedürfnissen der Kinder orientiert – und zwar nicht nur am Gymnasium, sondern in allen Schulformen und für alle Schulabschlüsse.

Und das bedeutet: Das Recht aller Kinder auf individuelle Förderung, wie es im NRW-Schulgesetz festgelegt ist, muss auch zu einem Recht auf die individuelle Lernzeit werden.

Die Grundschule mit der flexiblen Eingangsphase macht es vor – die Kinder können die früheren ersten beiden Schuljahre heute in ein bis drei Jahren durchlaufen.

Es ist ein Reformansatz für alle Schulen der Sekundarstufe I und II. Damit werden die Durchlässigkeit des Systems erhöht und die Mobilität der Schülerinnen und Schüler gewährleistet. Und wir fangen in Nordrhein-Westfalen dabei auch bei den weiterführenden Schulen nicht bei Null an, denn das Prinzip der individuellen Förderung hat sich an ganz vielen Schulen durchgesetzt. Eine individuelle, flexible Schullaufbahn ist da ein logischer nächster Schritt. Im Übrigen sind auch die vielen guten Entwicklungen an den Gymnasien, um die Kinder und Jugendlichen im G8 zu entlasten, wertvolle und wichtige Etappen auf diesem Weg der individuellen Förderung.

Es ist nicht wichtig, ob Kinder 12, 13, oder 14 Jahre in die Schule gehen. Wichtig ist, dass alle Kinder gut lernen im Sinne einer umfassenden Persönlichkeitsbildung, und dass sie den besten Abschluss schaffen, den sie jeweils individuell erreichen können – was nicht bedeutet, dass alle Abitur machen. Denn das ist weder möglich noch notwendig.

Jedem Kind seine eigene Lernzeit

„Jedem Kind seine eigene Lernzeit!“, das ist das, wofür ich kämpfen will. Und dafür brauchen wir neue Wege und keine unproduktiven Strukturdebatten, die mit den Kindern nichts zu tun haben. Individuelle flexible Lernzeit ist das, was ich meiner Partei vorschlage und mit allen Beteiligten besprechen will. Denn nach wie vor gilt für mich:

Schulreformen brauchen so viel Konsens wie möglich. Schulreformen müssen umfassend vorbereitet sein, denn sie sind immer Operationen bei laufendem Betrieb, also bildlich gesprochen „am offenen Herzen“.

G8/G9 war gestern – individuelle Lernzeit ist morgen.

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