Schule

So funktioniert die individuelle Lernzeit

In acht Jahren zum Abitur? Oder doch zurück zu G9? Wie geht es weiter mit der Schulzeit am Gymnasium und an den anderen Schulen in NRW? Für uns GRÜNE ist klar: Die Schule der Zukunft muss sich am Kind orientieren, nicht umgekehrt. Unsere Antwort heißt deshalb „Individuelle Lernzeit“. Hier erklären wir, was das ist.

Unsere Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann hat ihre Idee der individuellen Schulzeit vorgestellt. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Modell:


Individuelle Lernzeit? Was soll das denn sein?

Wir wollen nicht mehr Strukturmodelle diskutieren, sondern die Frage in den Mittelpunkt stellen, wie an jeder Schule jedes Kind bestmögliche Förderung und Unterstützung erhält. Konkret bedeutet das: Die individuelle Lernzeit findet in den Klassen 7 bis 10 statt.

  • Entweder bildet die Schule nach der Klasse 6 einen dreijährigen und einen vierjährigen Zweig.
  • Oder die Schule bietet allen Kindern in diesem Zeitraum neben dem Unterricht im Klassenverband auch individuelle Lernzeiten an, mit Wahlpflichtfächern und dem Besuch des Unterrichts höherer und/oder niedriger Jahrgangsstufen je nach Lernfortschritt. Dann kann die Zeit bis zur Oberstufe fünf oder sechs Jahre dauern.
  • Der Weg zum Abitur: Die gymnasiale Oberstufe bleibt dreijährig.

Ist das nicht zu kompliziert für Eltern und Schüler*innen?

Wir setzen auf Information: Die Eltern und Schüler*innen werden aufgrund der Lern- und Leistungsentwicklung ihres Kindes umfassend beraten, die Entscheidung über den weiteren Weg wird nach Klasse 6 getroffen.


Welche weiteren Vorteile bietet das GRÜNE Modell?

  • Vergleichbarkeit: Der schulrechtliche Rahmen ist für alle Gymnasien gleich. Damit sichern wir Vergleichbarkeit, Durchlässigkeit und Mobilität.
  • Chancengleichheit: An jedem Gymnasium, auch an kleinen Gymnasien, ist ein acht- oder neunjähriger Weg zum Abitur möglich.
  • Bessere Aussichten: Auch an den Gymnasien wird grundsätzlich der mittlere Bildungsabschluss erworben.
  • Auch andere profitieren: Auch an Gesamtschulen kann die Schullaufbahn zukünftig noch individueller gestaltet werden.
  • Weniger Stress: Die zweite Fremdsprache beginnt an allen weiterführenden Schulen wieder mit der Klasse 7.

Überfordert die Einführung eines neuen Modells nicht Schulen und Lehrer*innen?

Wir haben einen klaren Fahrplan für die individuelle Lernzeit erarbeitet, der einerseits eine rasche Umsetzung ermöglicht, andererseits aber Zeit für die Umstellung bietet.

  • Im Schuljahr 2017/2018 startet eine Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte.
  • Ab dem Schuljahr 2018/2019 wird die zweite Fremdsprache an allen weiterführenden Schulen mit der Klasse 7 begonnen.
  • Die Schulkonferenzen entscheiden, ob sie die individuellen Lernzeiten bereits zum Schuljahr 2018/2019 oder ein Jahr später einführen.
  • Bis 2019/2020 soll die individuelle Lernzeit an allen Schulen angeboten werden.

Warum soll etwas an der Schulzeit geändert werden?

2006 haben CDU und FDP die Schulzeit an Gymnasien völlig überhastet um ein Jahr verkürzt. Das brachte viele Probleme: Lehrpläne und Schulbücher fehlten, Lehrer*innen wurden nicht entsprechend fortgebildet, Schulen über Jahre allein gelassen.

2011 hat nur ein Dutzend Gymnasien von dem Angebot der rot-grünen Landesregierung Gebrauch gemacht, an einem Modellversuch und der damit verbundenen Rückkehr zu G9 teilzunehmen. Die meisten Schulen wünschten sich bessere Unterstützung statt erneuter struktureller Brüche. Deshalb gab es einen „Runden Tisch Schulzeitverkürzung“, der Verbesserungen von G8 erarbeitet hat.

Dennoch ging die Diskussion um G8/G9 weiter, nicht zuletzt wegen der Veränderungen in anderen Bundesländern, dem zum Teil ideologisch motivierten Wunsch nach einer Rückkehr zur Halbtagsschule alter Prägung und den leider immer noch vorhanden Schwierigkeiten in der Umsetzung des reformierten G8 an einigen Schulen.

Jetzt geht es nicht mehr darum, Strukturmodelle zu diskutieren, sondern uns bei der Schulzeit endlich am Kind zu orientieren.

Was spricht für das GRÜNE Modell und gegen Vorschläge anderer Parteien?

Mit Grün wird das Rad nicht zurück, sondern vorwärts gedreht: Wir GRÜNE wollen keine Rolle rückwärts, sondern die bisherigen Erfahrungen unserer Schulen nutzen. So gibt es neben den Grundschulen auch bei den weiterführenden Schulen schon jetzt viele erfolgreiche Beispiele für gute individuelle Förderung und flexible Lernzeiten in NRW. Mit Grün wird an das angeknüpft, was diese und andere Schulen schon entwickelt haben. Ihre Arbeit war so nicht für den Papierkorb.

Wir sind überzeugt, dass sich nur mit unserem Modell die festgefahrene Strukturdebatte auflösen und befrieden lässt. Wir wollen, dass Eltern den Schulen vertrauen. Wir wollen, dass die gute Arbeit unserer Schulen und ihrer Lehrkräfte nicht umsonst gewesen ist. Wir wollen sie bei der Weiterentwicklung unterstützen.

Mit Grün geht die Umsetzung schneller und es werden sofort mehr Jahrgänge erreicht als mit allen anderen Vorschlägen.


Lob von der GEW NRW

Für unseren Vorschlag haben wir übrigens auch Unterstützung der GEW-NRW bekommen. Sie schreibt auf ihrer Homepage:

„Im Landtagswahlkampf haben die Parteien Vorschläge vorgelegt, die auf Gymnasien mit unterschiedlich langen Lernzeiten abzielen. Diese Vorschläge unterscheiden sich darin, wie das Nebeneinander von G8 und G9 am Gymnasium gestaltet werden soll. Aus Sicht der GEW NRW muss vermieden werden, dass jedes Gymnasium zwischen G8 und G9 entscheiden muss. Es sollte statt dessen gelingen, unterschiedlich lange Lernzeiten an jedem Gymnasium möglich zu machen.“

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