Jagdgesetz

Wenn die Lobby zur Jagd bläst

Keine Frage, Jägerinnen und Jäger übernehmen eine wichtige Scharnierfunktion in der Forstwirtschaft. Bestreiten tut dies niemand so wirklich. Allerdings kann man momentan den Eindruck gewinnen, die rot-grüne Landesregierung wolle die Jäger drangsalieren, ihnen die Ausübung ihres Berufes untersagen und sie somit ihrer Existenzgrundlage berauben. Wer dafür verantwortlich ist? Die Antwort ist schlichter als man denkt: Die Jäger selbst, oder genauer: ihr angeblicher Interessensvertreter, der Landesjagdverband.

Seitdem bekannt wurde, dass der Grüne Umweltminister Johannes Remmel eine Reform des Landesjagdgesetzes plant, verging kaum kein Tag ohne hysterische Kommentierung. Lange bevor der Entwurf der Novelle überhaupt öffentlich wurde, setzte sich die koordinierte Empörungsmaschinerie der Waidmann-Lobby in Gang. Ohne die konkreten inhaltlichen Eckpunkte zu kennen, wurden seitens des Landesjagdverbands der Untergang des Berufsstands und damit das Ende des Forst- und Tierschutzes prognostiziert. Dass dem Minister „ökologischer Faschismus“ unterstellte wurde, war dabei maximal das Ende des Gewehrlaufs.

Zu den Fakten: Das neue Gesetz bedeutet vor allem für den Tierschutz einen großen Fortschritt – und könnte gleichzeitig ein positiveres Image der Jägerinnen und Jäger schaffen. Füchse und Dachse dürfen nicht mehr gejagt werden, indem Hunde in den Bau, das Zuhause der Tiere, geschickt werden. Das hat oft zu Quälerei geführt, weil sich die Tiere ineinander verbissen haben. Auch bei der Ausbildung der Jagdhunde steht der Tierschutz künftig stärker im Vordergrund. Bisher ist es üblich, Enten die Flügel zusammenzubinden, um sie dann von Hunden jagen zu lassen. Diese Praxis wird untersagt. Außerdem dürfen die so genannten Totschlagfallen nicht mehr benutzt werden, weil sie die Tiere oft nicht sofort töten, sondern nur schwer verletzen. Ein weiterer wichtiger Erfolg ist der Schutz von Katzen und Hunden. Jedes Jahr werden in Nordrhein-Westfalen 10.000 Katzen von Jägern abgeschossen, weil sie sich zu weit vom Haus entfernt haben. Katzen bedeuten jedoch nachweislich keine Gefahr für den Bestand der jagbaren Wildtiere. Deshalb wird das Abschießen von Katzen nun per Gesetz untersagt. Katzen gehören schlicht und einfach nicht ins Visier von Jägern.

Sind all diese Änderungen zusammengenommen die produzierte Aufregung wert? Wir finden nicht. Im Prinzip geht es doch nur um die Reform eines Gesetzes, das im Wesentlichen schon zu Kaisers Zeiten Bestand hatte. Für uns GRÜNE stellt die Gesetzesnovelle einen sehr guten Kompromiss zwischen den Anforderungen der Jagd, der Ökologie und des Tierschutzes dar. Das Jagdrecht, das zurzeit in den meisten anderen Bundesländern ebenfalls überarbeitet wird, wird damit an veränderte Bedingungen und die gesellschaftliche Erwartung angepasst.

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