LDK-Beschluss

Nationalpark-Idee nicht gefährden – Keine neuen Kampfdörfer und Panzerstraßen in der Senne!

Die einmalige Natur-und Kulturlandschaft der Senne zwischen Bielefeld, Paderborn und Detmold ist in Gefahr!

Die britischen Streitkräfte planen den Ausbau ihres Militärgeländes in der Senne. Es ist beabsichtigt, in den kommenden drei Jahren sechs oder sieben zusätzliche Übungseinheiten für den Häuserkampf, sogenannte Kampfdörfer, mit einer Fläche von jeweils etwa 1 ha zu errichten sowie neue betonierte Panzertrassen auf einer Länge von rund 40 km anzulegen.

Der Zweck der geplanten Baumaßnahmen besteht laut Antwort der nordrhein-westfälischen Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der grünen Landtagsfraktion in der Vorbereitung der britischen Soldaten auf ihre Einsätze u. a. in Afghanistan und im Irak. Die britischen Streitkräfte haben dazu erklärt, noch für mindestens 27 weitere Jahre in der Senne bleiben zu wollen und sie zum Zentrum der Ausbildung ihrer Soldaten zu machen. Andere Übungsstandorte in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sollen dafür geschlossen werden.

Es ist daher, nach Vollendung der geplanten Maßnahmen, mit einer Vervielfachung des Personal- und Übungsaufkommens in diesem sensiblen Bereich zu rechnen. (Bisher sind auf dem Truppenübungsplatz Senne ca. 4000 britische Soldaten ständig stationiert.) Dies wird zwangsläufig zu einer erhöhten Lärmbelästigung der Anwohner durch Schießübungen, Panzerfahrten und Hubschraubereinsätze führen. Auch ist mit einer weiteren Verlängerung der Sperrzeiten in der für die Bevölkerung ohnehin kaum noch zugänglichen Senne zu rechnen.

Durch den Straßenbau würde die bisher einheitliche Fläche in Parzellen zerschnitten, so dass das Landschaftsbild zerstört wird und mit massiven Auswirkungen auf die Tierwelt zu rechnen ist. Irreversible Schäden des Naturraums wären die Folge.

Gegen diese Pläne regt sich in der betroffenen Region breiter Widerstand. Die Senne ist als unbestritten wertvollster Landschaftsraum in Ostwestfalen-Lippe ausgestattet mit Naturgütern von europaweiter Bedeutung. Über 5.000 Tier- und Pflanzenarten, davon über 1.000 Arten der Roten Liste gefährdeter Tiere und Pflanzen gibt es allein auf dem 112 Quadratkilometer großen Truppenübungsplatz.

Die Senne hat nach Auffassung aller Fachleute die Qualität eines Nationalparks. Folgerichtig hat der nordrhein-westfälische Landtag 1991 einstimmig beschlossen, das Gebiet nach Abzug der britischen Streitkräfte als Nationalpark auszuweisen. Ein Folgebeschluss aus dem Jahr 2004 befürwortet sogar die Einrichtung des Nationalparks bereits bei bestehender militärischer Nutzung – was im Vereinigten Königreich heute zum Teil schon praktiziert wird. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass diese in NRW einmalige Natur-und Kulturlandschaft unzerteilt erhalten bleibt und vor weiterer Bebauung geschützt wird.

Durch die jetzigen Pläne der Britischen Rheinarmee, die der gültigen Beschlusslage des Landtags entgegenstehen, wird die Nationalparkwürdigkeit des Gebietes jedoch massiv gefährdet. Wenn die bisherige Nutzung der Senne durch das Militär auch im gewissen Sinne zum Schutz vieler gefährdeter Arten beigetragen hat, so würde doch mit dem beabsichtigten Ausbau ein Prozess unumkehrbarer Zerstörung der schützenswerten Naturlandschaft eingeleitet werden.

Mit Unverständnis muss die Einschätzung von Bundes- und Landesregierung zur Kenntnis genommen werden, dass die geplanten Baumassnahmen der unmittelbaren Landesverteidigung (!) dienen und daher, gemäss dem NATO-Truppenstatut auch ohne Zustimmung der bundesdeutschen Bauaufsichtsbehörden durchgeführt werden können. Die letztliche Entscheidungsgewalt liegt somit allein beim Bundesministerium der Verteidigung.

Die Grünen in Nordrhein-Westfalen appellieren an die Briten, mit denen die Bevölkerung unseres Landes seit Kriegsende nun schon 64 Jahre in Freundschaft und guter Nachbarschaft zusammen lebt, von diesen Ausbauplänen abzusehen.

Alle politischen Gremien und Entscheidungsträger in Bund, Land und in der betroffenen Region Ostwestfalen-Lippe werden aufgefordert, sich diesen Planungen mit allen demokratischen Mitteln zu widersetzen.

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