Sie unterstützen Gründerinnen und Gründer bei ihren ersten Schritten im Wirtschaftsleben. Sie bestellen und vereidigen Sachverständige und unterstützen somit Gerichte und Öffentlichkeit. Sie vertreten die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber Politik und Gesellschaft, beraten sie in Standortpolitik, Umweltfragen und vielen Bereichen des internationalen Geschäfts.
Die Industrie- und Handelskammern sind aufgrund der Wahrnehmung dieser öffentlich-rechtlicher Aufgaben als Körperschaften des öffentlichen Rechts durch gesetzliche Grundlage zur Erhebung von Pflichtbeiträgen ihrer Mitglieder ermächtigt. Diese Rechtsgrundlage bedarf allerdings immer wieder einer Legitimation.
Gerade die durch den Rechtstatus einer „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ verliehene starke Stellung der IHKen erfordert auch, dass die IHKen die Interessen ihrer Mitgliedschaft in ihrer Unterschiedlichkeit und Heterogenität abbilden.
Die Realität ist jedoch: Kleine und mittlere Unternehme (KMU) sind mit ihren Interessen innerhalb der Industrie- und Handelskammern unterrepräsentiert, während die Großunter-nehmen die Gremien dominieren.
Wir GRÜNE sind überzeugt, dass die Beibehaltung der Pflichtmitgliedschaft für die IHKen nur zu vertreten ist, wenn die Industrie- und Handelskammern bereit sind, sich zu reformieren.
Dazu sind aus unserer Sicht folgende Punkte notwendig:
- Die IHKen müssen durch ihre Selbstorganisation in ihren Satzungen sicherstellen, dass die Interessen aller Mitgliedsunternehmen in der Führungsebene der IHKen vertreten werden.
- Die IHKen müssen die Umsetzung des Landesgleichstellungsgesetzes in ihrem Geltungsbereich gewährleisten. Dies gilt sowohl für die Ebene der Hauptamtlichkeit wie auch für das Ehrenamt.
- Die IHKen müssen größtmögliche Transparenz über die Verwendung ihrer Mittel her-stellen und ihre Mittelverwendung entlang der Vorgaben des Transparenzgesetzes NRW veröffentlichen. Auch das Korruptionsbekämpfungsgesetz NRW muss ange-wendet werden.
- Die IHKen müssen alle Wirtschaftlichkeitspotentiale im Sinne einer sparsamen und wirtschaftlichen Verwendung der Beiträge in ihrer inneren Organisationsstruktur heben. Dazu sollten die IHKen auch ihre innere Gliederung in bislang 16 örtliche IHKen überprüfen.
- Pflicht-Doppelmitgliedschaften in mehreren Kammern, insbesondere für KMU, sollten möglichst bald abgeschafft werden Beiträge für kleine Unternehmen müssen angesichts großer allgemeiner Rücklagen deutlich reduziert werden.
- Die IHKen müssen bei der Vertretung der Interessen ihrer Mitgliedsunternehmen ge-genüber Politik und Gesellschaft höchstmögliche Objektivität wahren. Die Einrichtung eines Beschwerdemanagements z.B. bei der Dachorganisation der IHKen für Fälle, in denen gegen die Verpflichtung zur Neutralität seitens einer IHK verstoßen wurde, ist wünschenswert.
- Im Rahmen von Maßnahmen zur Aus- und Weiterbildung treten IHKen als Anbieter auf und stehen dadurch in Konkurrenz zu ihren Mitgliedsunternehmen. Wir fordern, dass keine Leistungen von IHKen erbracht werden, bei denen sie in Konkurrenz zu Mitgliedsunternehmen stehen. Als weitere Aufgabe gemäß § 1 Absatz 4 des IHK-Gesetzes des Bundes schlagen wir vor, die Einführung eines Nachhaltigkeitsausschusses durch jede Industrie- und Handelskammer in NRW zu prüfen. Der Ausschuss wird unter Beteiligung von Gewerkschaften und Umweltverbänden sowie der IHK-Mitglieder in Analogie zum IHK-Berufsbildungsausschuss paritätisch besetzt. Vor je-der öffentlichen Stellungnahme einer IHK ist der Nachhaltigkeitsausschuss zu hören. Die Stellungnahme des Nachhaltigkeitsausschusses ist mit der Stellungnahme der IHK gemeinsam zu veröffentlichen.
- Zudem regen wir die Einrichtung eines öffentlich-rechtlichen Ausschuss der Industrie- und Handelskammern auf Landesebene an.
Neuste Artikel
Grüne in Verantwortung
NRW-Landesregierung beschließt Reformpaket für eine moderne und digitale Verwaltung
Die Kommunikation mit Behörden ist oft langwierig, papierintensiv und mit hohem Aufwand verbunden – sowohl für Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger als auch für die Verwaltung selbst. Die Landesregierung hat daher ein umfassendes Maßnahmenpaket beschlossen, um Bürokratie abzubauen, den Staat zu modernisieren und die Kommunikation zu vereinfachen. Weniger Berichtspflichten für Unternehmen Die Landesregierung schafft alle unnötigen…
“Die Energiepolitik von Katherina Reiche hilft weder der Wirtschaft noch den Menschen.”
Der Landesvorstand der Grünen NRW hat bei einer Klausur am Wochenende in Essen ein Papier mit konkreten Vorschlägen beschlossen, um Verbraucher*innen bei den Energiekosten zu entlasten. So fordert die Partei von der Bundesregierung unter anderem die Stromsteuer dauerhaft auf das europarechtliche Minimum zu senken. Das entlaste alle und mache den Umstieg auf klimafreundliche Technologien wie…
LaVo-Beschluss
Entlastung für alle und ein Boost für Zukunftstechnologien: Jetzt die Stromsteuer senken und Elektrifizierung voran bringen
Beschluss des Landesvorstandes auf der Landesvorstandsklausur am 25.04.2026 “Rettet die Erneuerbaren!” – dafür waren 30.000 Menschen am 18. April in Köln auf der Straße. Weil sie die Nase voll haben von der Energiepolitik der Bundesregierung. Ihre Politik ist rückwärtsgewandt und wirtschaftsschädigend. Seit dem Ausbruch des Iran-Krieges und der Blockade der Straße von Hormus sind die…
Ähnliche Artikel
LPR-Beschluss
NRW – Heartbeat of Europe. 5-Punkte-Strategie für ein starkes Europa
Beschluss des Landesparteirats am 22. März 2026. Die Welt ordnet sich neu. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat das kurze Fenster regelbasierter Weltpolitik abrupt geschlossen. Und während Trump Fakten schafft, bemitleidet sich Europa selbst und trauert der verlorenen Ordnung hinterher. Auch die Bundesregierung liefert bisher nicht mehr als Sonntagsreden über „europäische Souveränität“,…
LPR-Beschluss
Care-Arbeit sichtbar machen – Unterstützung für pflegende Eltern und Alleinerziehende in NRW
Beschluss des Landesparteirats am 22. März 2026. Pflege findet in Deutschland überwiegend zu Hause statt. Bundesweit werden rund 86 Prozent der pflegebedürftigen Menschen zu Hause versorgt, ein Großteil davon ausschließlich durch Angehörige, vornehmlich Familienmitglieder, aber auch Freund*innen, Nachbar*innen oder Personen aus dem sozialen Umfeld. Auch in Nordrhein-Westfalen tragen damit Familien die Hauptverantwortung für Pflege. Die…
LPR-Beschluss
Zivilgesellschaft schützen – Umweltstandards absichern
Beschluss des Landesparteirats am 22. März 2026. NGO-Bashing greift immer mehr um sich, von ganz rechts bis mitten in die Bundesregierung. Die Beleidigungen und Anfeindungen gipfelten zuletzt im Vorwurf von Friedrich Merz, Umweltschützer*innen gefährdeten die Demokratie – eine ungeheuerlich absurde und gefährliche Aussage. Wer so daherredet, verschiebt den Diskurs Stück für Stück weiter in…