Das Thema Braunkohle wird seit Jahrzehnten emotional diskutiert – in NRW und bundesweit. Mit der geplanten Rodung des Hambacher Waldes hat diese Diskussion deutlich an Schärfe gewonnen. Was ist eigentlich dran am Vorwurf, wir Grünen hätten die Rodung des Waldes zu verantworten?
Der Kohleausstieg in NRW hat längst begonnen: Uns Grünen ist es in den Koalitionsverhandlungen mit der SPD 2010 gelungen, eine grundsätzliche Absage an den Neubau von Tagebauen festzuschreiben. Damit konnten wir nicht nur gegen den erklärten Willen der SPD, sondern auch gegen den von CDU und FDP den Ausstieg aus der Braunkohlegewinnung besiegeln. Außerdem haben wir – ebenfalls gegen die fossile Einheitsfront aus SPD, CDU und FDP – den Tagebau Garzweiler um ein Drittel verkleinert, 1.400 Menschen vor der Zwangsumsiedlung gerettet und dafür gesorgt, dass 400 Millionen Tonnen Kohle da bleiben, wo sie hingehören: unter der Erde.
Kohlekommission muss anderen Rahmen schaffen
Schon die Verkleinerung des Tagebaus Garzweiler war gegen die fossile Einheitsfront aus SPD, CDU und FDP ein unglaublicher politischer Kraftakt. Eine Verkleinerung des Tagebaus Hambach war angesichts der politischen Konstellation nicht zu schaffen. Das wäre die Aufgabe für diese Legislatur gewesen. Für eine zusätzliche Veränderung der aus den frühen 1970er Jahren stammenden Tagebauplanung Hambach gab es weder politische noch juristische Ansatzpunkte. Um diese Planung zu verändern, bedarf es eines anderen, auf Klimaschutz und Kohleausstieg aus gerichteten gesetzlichen Rahmens auf Bundesebene, den die Kohlekommission – hoffentlich – jetzt endlich schafft.
Seit dem Aufschluss des Tagebaus Hambach im Jahr 1978, der auf Basis von Braunkohleplanungen und Entscheidungen aus den frühen 1970er Jahren begann, wird jedes Jahr ein Stück des Hambacher Wald zerstört. Von dem einstmals über 4.000 Hektar großen Waldgebiet sind heute nur noch rund 200 Hektar übrig.
Konsequenzen aus dem Pariser Abkommen
Nachdem die rot-grüne Landesregierung 2016 die Leitentscheidung zur Verkleinerung von Garzweiler getroffen hat, ratifizierte der Deutsche Bundestag einstimmig das Klimaschutzabkommen von Paris und erhöhte die Bundesregierung in ihrem Klimaschutzplan die Einsparzeile für die Energiewirtschaft deutlich. Das bedeutet, dass es zu einem deutlich schnelleren Ausstieg aus der Kohleverstromung kommen muss, als bisher von der Mehrheit angenommen.
Um diesen Kohleausstieg zu konkretisieren, weitere Stilllegungen von Kraftwerken und ein Ausstiegsdatum festzulegen, aber gleichzeitig die vier deutschen Braunkohlereviere beim Strukturwandel zu unterstützen hat die Bundesregierung die „Kohlekommission“ eingesetzt.
Nach der Ratifizierung des Klimaschutzabkommens von Paris wird nicht mehr alle Kohle die in den Tagebauen liegt gefördert werden dürfen. Es wird Aufgabe der Regierung Laschet sein, mit neuen Leitentscheidungen zu Garzweiler und Hambach diese reduzierten Fördermngen in angepasste Planungen umzusetzen.
Reden statt Roden – Moratorium jetzt!
Ministerpräsident Armin Laschet will aber auf der Basis von Planungen, die fast ein halbes Jahrhundert alt sind, den Tagebau Hambach einschließlich der Rodung des noch bestehenden Hambacher Waldes unverändert fortsetzen. Die Landesregierung muss dafür sorgen, dass RWE keine finalen Fakten mit der Kettensäge schafft und damit einen gesellschaftlichen Großkonflikt eskalieren lässt. Solange die Kommission verhandelt, muss ein Rodungsmoratorium für den Hambacher Wald gelten.
Weitere Infos zum Hambacher Wald auf der Seite der GRÜNEN Landtagsfraktion.
Neuste Artikel
LaVo-Beschluss
Sichere Radwege rund um Schulen – damit Kinder selbstständig und sicher mobil sein können
Beschluss des Landesvorstand am 17. Juli 2026 Städte wie Münster zeigen seit Jahren, dass konsequente Radverkehrspolitik wirkt: Sichere Radwege bringen mehr Menschen aufs Fahrrad. Das gilt besonders für Kinder. Wer schon früh sicher mit dem Fahrrad unterwegs ist, gewinnt Freiheit, Bewegung und Selbstvertrauen. Deshalb wollen wir GRÜNE, dass Kinder ihren Schulweg sicher, selbstständig und mit…
Aufladen vor der Haustür: 25 Millionen Euro für mehr E-Ladesäulen
Nordrhein-Westfalen setzt seinen Kurs zur ersten klimaneutralen Industrieregion fort. Das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie, unter der Leitung von Mona Neubaur, stellt bis Ende 2027 zusätzlich 25 Millionen Euro für Ladesäulen für Elektroautos an Mietshäusern sowie für die Fahrzeugflotten kleiner und mittelständischer Logistikunternehmen bereit. So macht das Land den Umstieg auf Elektroautos für…
Grüne in Verantwortung
Mona Neubaur will Mutterschutz für Selbstständige
Wer angestellt ist und ein Kind bekommt, hat Anspruch auf gesetzlichen Mutterschutz. Für Selbstständige gilt das bislang nicht. „Selbstständige Mütter halten jeden Tag Betriebe am Laufen, sichern Arbeitsplätze und tragen Verantwortung. Und dann werden sie schwanger und fallen durchs Netz. Das ist nicht gerecht und es ist vor allem ökonomischer Unsinn,“ sagt NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur….
Ähnliche Artikel
Grüne in Verantwortung
Neue Leitentscheidung: Schwarz-Grün beendet 170 Jahre Braunkohleförderung
Die schwarz-grüne Landesregierung hat eine neue Leitentscheidung verabschiedet. Damit ziehen wir das Ende der Kohle in NRW um acht Jahre vor und legen den Grundstein für die Neugestaltung der Region. Yazgülü Zeybek, Landesvorsitzende der GRÜNEN NRW, sagt dazu: „Mit der Leitentscheidung der Landesregierung unter Federführung von Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur gestalten wir eine neue…
Braunkohle
FAQ Braunkohleabbau
Was bedeutet der Braunkohle-Abbau konkret für die Menschen im rheinischen Revier? Viele Menschen im Rheinischen Revier arbeiten direkt oder indirekt in den Tagebauen oder den Kraftwerken. Für sie bedeutete die Braunkohle jahrzehntelang ein gutes und sicheres Einkommen. Gleichzeitig haben zehntausende Menschen ihre Heimat verloren, weil ihre Dörfer für den Tagebau zerstört wurden. Zwar gibt es…
Grüne in Verantwortung
Wir schreiben mit beschleunigtem Ausstieg das letzte Kohlekapitel in NRW
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie NRW und die RWE AG haben an diesem Dienstag die Eckpunkte für das Vorziehen des Kohleausstiegs um acht Jahre auf 2030 vorgestellt. Dazu erklären: Yazgülü Zeybek und Tim Achtermeyer, Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die GRÜNEN NRW, sowie Wibke Brems und Verena Schäffer,…