Warum brauchen wir mehr Wildnis – und wie setzen wir sie um? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Soundingboards Wildnisentwicklungsgebiete am 21. Januar 2026. Wildnis wurde dabei nicht als romantische Idee verstanden, sondern als wirksamer und vergleichsweise kostengünstiger Beitrag zu Biodiversitäts-, Klima- und Flächenschutzzielen.
Wildnis heißt Prozessschutz
Unberührte Natur gibt es in NRW nicht mehr. Wildnisentwicklungsgebiete sind daher klar definiert: keine forstliche Nutzung, keine Jagd, keine Pflege – Natur darf sich frei entwickeln. Gerade weil offen ist, welche Arten sich durchsetzen und wie sich Ökosysteme verändern, liegt ihr besonderer Wert im Prozessschutz. Wissenschaftliches Monitoring macht diese Entwicklungen sichtbar und nutzbar für Naturschutz und Forschung.
Ziele in NRW
Wildnis ist ein zentraler Baustein zur Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung. NRW hat sich das Ziel gesetzt, 15 % des Landeswaldes für natürliche Waldentwicklung zu sichern. Künftig sollen weitere Flächen ausgewiesen und bestehende Gebiete stärker miteinander vernetzt werden, denn große zusammenhängende Wildnisflächen sind ökologisch besonders wertvoll.
Akzeptanz und Umsetzung
Wildnisentwicklung ist ein Generationenprojekt und braucht gesellschaftliche Akzeptanz. Wichtig ist dabei die klare Abgrenzung zu Artenschutzgebieten und bewirtschaftetem Wald: Wildnis ergänzt diese Formen des Naturschutzes, ersetzt sie aber nicht. Offene Kommunikation ist entscheidend, um Sorgen vor Nutzungskonkurrenzen abzubauen. Diskutiert wurde auch, ob Wildnisflächen zu Beginn aktiv vorbereitet werden sollten oder ob konsequentes Nicht-Eingreifen der bessere Weg ist.
Ausblick
Damit Wildnis in NRW weiter wachsen kann, braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen, ausreichende Flächen und passende Anreize. Stiftungen und Fonds können helfen, Flächen langfristig zu sichern und Nutzungsverzichte auszugleichen. Zudem wurden Möglichkeiten diskutiert, laufende Kosten für Wildnisflächen zu senken, erwähnt wurde insbesondere die Grundsteuer. Gleichzeitig muss das Verständnis für Wildnis gestärkt werden – etwa durch ihre stärkere Verankerung in der Förster*innenausbildung. Wildnis ist kein Luxus, sondern ein notwendiger Baustein einer zukunftsfähigen Umweltpolitik in NRW.
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