Datum: Samstag, 10. Oktober 2026 bis Sonntag, 11. Oktober 2026
Ort: Haus Villigst (Iserlohner Straße 25, Schwerte)
Anmeldung und Tickets: am Ende dieser Seite unter dem Reiter “Anmeldung”
Die Wälder in NRW stehen unter massivem Veränderungsdruck. Klimakrise, Dürre, Borkenkäfer und Waldbrände verändern unsere Wälder. Gleichzeitig wachsen die Erwartungen an den Wald: er soll Sauerstoff und Holz liefern, CO2 binden, sowie Wasserhaushalt, Erosionsschutz und Biodiversität verbessern. Wälder sollen auch weiterhin der Erholung, dem Tourismus, dem Sport dienen.
Waldpolitik ist damit längst zu einer zentralen Zukunftsfrage geworden.
Rund 27% der Landesfläche sind bewaldet, knapp eine Million Hektar, ca. 4x so groß wie das gesamte Saarland. Doch der Wald steht vor großen Herausforderungen. Viele Bäume sind geschädigt, der Klimawandel begünstigt Borkenkäfer und andere Schadinsekten Zu hohe Wilddichten behindern vielerorts die natürliche Waldverjüngung. WaldbesitzerInnen und Sägewerke fragen, wie sie ihre wirtschaftlichen Existenzen erhalten können. Zudem nehmen die Kenntnisse der Gesellschaft über den Wald, Forstwirtschaft und ökologische Zusammenhänge immer mehr ab. Dabei werden die Zielkonflikte größer: Wir brauchen mehr Schutz für Biodiversität und natürliche Waldentwicklung. Gleichzeitig brauchen wir mehr Holz als klimafreundlichen Rohstoff für den Gebäudebau. Die Frage ist nicht mehr, ob wir den Wald nutzen oder schützen, sondern wie wir beides zukünftig besser zusammen bekommen.
Dazu gehört auch die Frage, wie Ökosystemleistungen des Waldes besser anerkannt, bzw. vergütet werden können. Wälder liefern uns Leistungen, die gesellschaftlich unverzichtbar sind, die wir durch unsere Art der Waldwirtschaft stark beeinflussen können. Wenn wir klimaresiliente Wälder wollen, müssen wir auch über neue Formen der Finanzierung und Inwertsetzung von Ökosystemleistungen sprechen.
In NRW haben wir in den vergangenen Jahren einiges für den Wald erreicht:
- Viele Millionen Euro sind in die Wiederbewaldung geflossen, die in der Verwendung jedoch nicht immer zielführend eingesetzt wurden, was nicht nur aus Grüner Sicht zu kritisieren ist.
- die Strukturunterstützung für die Forstlichen Zusammenschlüsse, die wir direkt nach Regierungsübernahme im Herbst 2022 eingeführt haben.
- 5000 ha weitere Wildnisgebiete werden landesweit ausgewiesen, damit Natur Natur sein kann und wir von der natürlichen Waldentwicklung auf diesen Referenzflächen lernen können.
- Zu diesem Lernen trägt auch das Hochschulinstitut für Waldforschung bei, dass auf Grüne Initiative geschaffen wurde und nun weiter ausgebaut werden muss.
- Ein neues Landeswaldgesetz, welches in einer ersten Kabinettsfassung derzeit diskutiert wird, um die Erkenntnisse der Waldstrategie in die Praxis zu übertragen und die Wälder NRWs und ihre Bewirtschaftung den Herausforderungen des Klimawandels anzupassen.
Gleichzeitig bleiben große Fragen offen:
- Wie können wir in NRW, aber auch in der EU klimaresiliente Wälder gestalten?
- Welche Chancen bieten Digitalisierung, Fernerkundung und KI für den Waldumbau und das Waldmonitoring?
- Wie verändern sich Wald-Wertschöpfungsketten – und welche Rolle spielt Holz künftig in einer klimaneutralen Wirtschaft?
- Wie stärken wir Waldpädagogik, Waldkitas und gesellschaftliches Wissen über den Wald?
- Wie bringen wir Naturschutz, Wasserhaushalt, Holznutzung und Waldentwicklung besser zusammen?
- Wie gehen wir mit Nutzungskonflikten im Wald um – etwa bei Windenergie, Jagd, Erholung oder Naturschutz?
- Wie setzen wir die geltende Wiederherstellungs-Verordnung der EU in Wäldern um?
- Wie schaffen wir Akzeptanz für notwendige Veränderungen?
Auf unserem Waldkongress wollen wir diese Debatten führen und neue Impulse für die Waldpolitik in NRW setzen. Gemeinsam mit Wissenschaft, Praxis, Waldbesitz, Naturschutz, Verwaltung und Politik wollen wir diskutieren, welche Leitplanken der Wald der Zukunft braucht.
Denn klar ist: Die Wälder brauchen Wissen, gesellschaftliche Debatten, politische Entscheidungen und Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Wälder wollen wachsen – wir müssen die richtigen Rahmenbedingungen dafür schaffen.
Moderation des Kongresses: Tanja Busse
Veranstalter*innen: AG Wald der LAG Wald/Landwirtschaft/ländlicher Raum sowie LAG Ökologie
Unterstützer*innen: Bündnis 90/Die Grünen NRW, Kreisverbände Märkischer Kreis, Hochsauerlandkreis, Hamm, Coesfeld, Warendorf, Münster, Olpe
Programm Samstag
| Uhrzeit | Programmpunkt |
| 11:00 Uhr | Exkursion im Stadtwald Schwerte mit Adrian Mork (Grüne Unna). Treffpunkt: Parkplatz Flurschütz (Hörder Str 131; Bus 430) |
| 14:00 Uhr | Ankommen im Tagungshaus, Kaffee & Kuchen |
| 14:30 Uhr | Begrüßung Jutta Velte (AG Wald GRÜNE NRW)
Grußwort KV Unna / OV Schwerte Grußwort Tim Achtermeyer (Landesvorsitzender GRÜNE NRW) |
| 14:45–15:45 Uhr | Keynote & Diskussion mit Pierre Ibisch (FH Eberswalde): „Im Wald von Morgen: Naturschutz, Wertschöpfung und Bytes?“ |
| 16:00–18:00 Uhr | Workshop-Sessions |
| 1. NRW und EU gemeinsam zu nachhaltigen Wäldern (mit u.a. Martin Häusling, MdEP) | |
| 2. Fernerkundung und KI im Wald (mit u.a. Pierre Ibisch & Dominik Sperlich (Uni Freiburg)) | |
| 3. Wald-Wertschöpfungsketten im Wandel bis 2075 (mit u.a. Lukas Sieberth (TBRemscheid) & Gesche Schifferdecker (European Forest Institute) | |
| 4. Kids in the Forest for FutureForest! (mit u.a. Norika Creuzmann MdL) | |
| 5. Wald, Wasser und Naturschutz (mit u.a. Astrid Vogelheim, MdL und Volkhard Wille, MdL) | |
| 18:00–18:30 Uhr | Wrap up Workshops und Vorstellung Wald-Hochschulinstitut (Gerrit Bub, FH Südwestfalen) |
| 18:30–19:30 Uhr | Abendessen |
| 19:30 Uhr | Abend-Keynote: Thomas Wälter, Leiter Zentrum für Holzwirtschaft, Landesbetrieb Wald und Holz NRW: Naturschutz und Klimawandel |
Programm Sonntag
| Uhrzeit | Programmpunkt |
| 7:30–8:45 Uhr | Frühstück |
| 9:00–10:00 Uhr | Keynote „Wildnisminister“ Oliver Krischer (Landesminister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr)
Anschließend Diskussion mit Torsten Dörmbach (Waldbesitzer des Jahres 2025), Britta Linnemann (NABU Station Münsterland), Dorothea Epperlein (Naturwald Akademie), u.a. Thema: Naturschutz – Walderhalt – Holznutzung – Jagd |
| 10:10–10:45 Uhr | Offene Diskussion |
| 11:15–12:15 Uhr | Gemeinsamkeiten in der Waldpolitik: ein Blick auf die Grünen durch die Waldbesitzenden: u.a. Eberhard von Wrede (WBV), Lucas von Fürstenberg (ANW), Christoph Ewers (Kommunalwaldbesitzerverband), Norbert Asche (Forstverein NRW) |
| 12:30 Uhr | Abschlussstatement Gregor Kaiser MdL
Gemeinsames Mittagessen Abreise |
Workshops im Detail
Workshops im Detail
NRW und EU gemeinsam zu nachhaltigen Wäldern
(mit u.a. Martin Häusling)
Europäische Regelungen wie die EU-Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) oder die Wiederherstellungsverordnung (WVO/Nature Restoration Law) prägen die Rahmenbedingungen für Waldwirtschaft und Naturschutz auch in NRW. Dabei geht es unter anderem darum, wie wir globale Entwaldung stoppen, ohne dabei den Rückhalt unserer regionalen Waldbewirtschaftung zu verlieren? Oder wie stärken wir Biodiversität und natürliche Waldentwicklung und sichern gleichzeitig nachhaltige Holznutzung und Wertschöpfung?
Gemeinsam mit Martin Häusling diskutieren wir, wie europäische Waldpolitik konkret in NRW wirkt, welche Chancen EUDR und WVO für klimaresiliente Wälder bieten und wo die Umsetzung praxisnah weiterentwickelt werden muss. Denn Waldschutz, Klimaanpassung und nachhaltige Nutzung gelingen nur, wenn Europa, Bund und Länder gemeinsam handeln.
Fernerkundung und KI im Wald
KI und digitale Tools bestimmen immer mehr Bereiche unseres Lebens und unserer Arbeit. Auch die Waldbezogene Forschung und die Waldarbeit sind ohne Satellitentechnik, KI oder Geotools nicht mehr denkbar. Start ups entwickeln digitale Tools zur Drohnensaat, Waldbranderkennung, Durchforstungsplanung oder Waldvermessung. Wie ist der aktuelle Stand der Technik? Kann KI auch einen Beitrag zur naturnahen Waldentwicklung leisten? Welche Rolle kann die Technik spielen, um Wälder klimaresilient zu machen? Und welche Rahmenbedingungen muss Politik setzen, damit die Tools im Sinne des Waldes genutzt werden? Im Workshop diskutieren wir mit Piere Ibisch.
Wald-Wertschöpfungsketten im Wandel bis 2075
(mit Lukas Sieberth (Technische Betriebe Remscheid) & Gesche Schifferdecker (EFI))
Was ist der Wald wert? Uns, der Welt, den Eigentümer*innen, dem Klima?
Darauf gibt es viele Perspektiven und noch mehr Antworten – individuelle, traditionelle, ökologische, wirtschaftliche und politische. In diesem Workshop wollen wir ins Gespräch kommen – mit Praxis, mit Wissenschaft, mit Wirtschaft. Folgende Fragen werden wir diskutieren:
Eigentum und Verpflichtung – Wem gehört der Wald? –
Abschied von Traditionen – Wie wächst der Wald der Zukunft?… und wie ist das eigentlich mit dem Gemeinwohl?
Kids in the Forest for FutureForest!
(mit u.a. Norika Creuzmann MdL)
Der Wald ist einer der spannendsten Lernorte für Kinder. Doch Naturerfahrung ist heute nicht mehr selbstverständlich. Gemeinsam mit Waldpädagog*innen und Norika Creuzmann (MdL) diskutieren wir, wie mehr Kinder Zugang zum Wald bekommen, welche Rolle Bildung für nachhaltige Entwicklung dabei spielt und was es braucht, damit Waldpädagogik dauerhaft gestärkt wird.
Wald, Wasser und Naturschutz
(mit u.a. Astrid Vogelheim MdL und Volkhard Wille MdL)
Der Wald hat sowohl für den Wasserhaushalt als auch den Naturhaushalt eine wichtige Rolle. Die meisten Trinkwassergewinnungsgebiete liegen im Wald und ökologischer Hochwasserschutz funktioniert dort besonders gut, wo Auwälder Hochwasserwellen dämpfen und Wasser speichern. Die Artenvielfalt ist dort am höchsten, wo Arten- und Strukturvielfalt wie Totholz ihren Raum haben. Wie muss die Waldnutzung gestaltet werden, um die Aspekte Wasser und Biodiversität ausreichend zu berücksichtigen?
Anmeldung
Unter dem folgenden Link kann das Ticket für den Waldkongress erworben werden.
Für Übernachtung und Frühstück im Haus Villigst muss zusätzlich auch das entsprechende Ticket erworben werden. Das Ticket für die Übernachtung schließt nicht die Teilnahme am Kongress ein!