Wenn Temperaturen extrem steigen, geraten viele Menschen an ihre Grenzen; körperlich wie sozial. Hitze verschlimmert Vorerkrankungen, belastet das Herz-Kreislauf-System und erfordert besondere Aufmerksamkeit für jene, die besonders vulnerabel sind.
Vorerkrankungen werden unter extremen Temperaturen zur ernsthaften Gefahr, und wer sozial isoliert lebt, bei Hitze im Freien oder in aufgeheizten Räumen arbeitet oder keinen Zugang zu kühlen Räumen hat, trägt das größte Risiko. Die Sitzung des 1,5-Grad-Soundingboards am 25. Juni machte deutlich: Hitzeanpassung ist kein Randthema. Sie ist eine drängende gesundheitspolitische, soziale und stadtplanerische Aufgabe, der Deutschland im europäischen Vergleich noch hinterherläuft.
Als Referenzrahmen diente das Forschungsprojekt Plan °C zur Umsetzung der Handlungsempfehlungen des Bundesumweltministeriums für kommunale Hitzeaktionspläne in Karlsruhe und Düsseldorf. Frankreich zeigt, was möglich ist: Nach dem Hitzesommer 2003, der allein dort rund 15.000 Menschenleben kostete, entstand eine öffentliche Druckwelle, die politisches Handeln erzwang. Seitdem verfügt das Land über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung in der kommunalen Hitzeanpassung; von psychosozialen Telefonservices über rechtlich verankerten Hitzeschutz bis hin zum nationalen Solidaritätsgesetz.
Dabei sind viele wirksame Maßnahmen nicht aufwendig. Kühle Räume existieren vielerorts längst: Bibliotheken, Kirchen, Kinos, Fitnessstudios. Sie müssen sichtbar gemacht und kommunikativ eingebunden werden. Seniorenrestaurants, die günstiges Essen, sozialen Austausch und kühle Umgebung verbinden, sind ein Beispiel für Ansätze mit mehreren Wirkungen gleichzeitig. Prävention ist auch beim Thema Hitze günstiger als Reaktion und häufig sozialpolitisch wirksamer.
Und gleichzeitig gibt es noch weitere Hebel: koordinierte Informationskampagnen statt dezentraler Einzellösungen, ein verlässliches Monitoring hitzebedingter Erkrankungen, ein wirksamer Arbeitsschutz für Beschäftigte mit besonderer Hitzebelastung, die gesetzliche Absicherung von Trinkwasserbrunnen sowie die frühzeitige Integration von Schwammstadtkonzepten in die Bauleitplanung. Katastrophenschutz und Hitzeschutz zusammenzudenken ist dabei ein entscheidender nächster Schritt.
All das zeigt: Hitzeanpassung ist kein Ressortthema. Sie funktioniert nur als Querschnittsaufgabe.
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