Kohle

FAQ Braunkohle

Was spricht eigentlich gegen Braunkohle?

Braunkohle ist der klimaschädlichste aller Energieträger. Je Tonne verfeuerter Rohbraunkohle wird unabhängig vom Wirkungsgrad der Kraftwerke unweigerlich eine Tonne des Treibhausgases Kohlendioxid freigesetzt. Selbst die angeblich „modernsten Braunkohlenkraftwerke der Welt“, die so genannten Braunkohlenkraftwerke mit optimierter Anlagentechnik (BoA) kommen auf etwa 950 g CO2/kWh – das ist dreimal mehr, als bei moderne Gaskraftwerken. Und: in NRW gibt es zahlreiche ältere Kraftwerke, diese stoßen erheblich mehr CO2 aus.

Warum ist Braunkohle in Deutschland so ein großes Thema?

Auf diesen Weltmeistertitel kann sich Deutschland nun wirklich nicht stolz sein: Es gibt kein Land auf unserer Erde, in dem mehr Braunkohle abgebaggert und verbrannt wird. Klimaforscher und andere Experten sind sich einig: Deutschland muss so schnell wie möglich aus dieser Technik der Stromerzeugung aussteigen. Aber das klappt nicht. Warum, erklärt Mojib Latif, Professor am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel: „Die Politik ist schlichtweg nicht bereit, aus der Kohle auszusteigen. Da gibt es Akteure wie Nordrhein-Westfalen als größtes Braunkohleförderland in Deutschland, die blockieren. Die Braunkohle verhindert das Erreichen ambitionierter Klimaziele.“

Kommt der Braunkohle-Ausstieg?

Er muss kommen, will Deutschland seine Klimaschutzziele erreichen. Allerdings hat eine Debatte im NRW-Landtag jüngst gezeigt: Nur die Grünen vertreten dort den Kurs eines geordneten Braunkohle-Ausstiegs – CDU, SPD und FDP setzen weiter auf Braunkohle – in der Folge bedeutet das: Dörfer werden vernichtet, Menschen aus ihrer Heimat vertrieben und uralte Bäume gefällt und die letzten Reste des Hambacher Walds mutwillig vernichtet. Und alles, damit der Konzern RWE noch ein paar Jahre länger mit schmutzigem Strom aus Kohle Gewinne macht.

Aber wird die Braunkohle nicht gebraucht, um die Stromversorgung in Deutschland zu sichern?

Das ist freundlich ausgedrückt großer Quatsch. Diese immer wieder von FDP und CDU vorgetragene Behauptung hat mit der Realität des deutschen Strommarkts nichts zu tun. Die Fakten:

  • Deutschland produziert aktuell deutlich mehr Strom, als im Land verbraucht wird. Der Rest wird ins Ausland exportiert und steigert die Gewinne von RWE & Co. Dass die Exportüberschüsse Jahr für Jahr steigen, zeigt diese Statistik.
  • Zahlreiche Gaskraftwerke in Deutschland stehen still, es gibt also sehr große Reserven im Netz. Dabei produzieren sie den Strom deutlich kliamfreundlicher als Braun- und Steinkohlekraftwerke. Aber die zum Teil über 50 Jahre alten Kohlekraftwerke sind abgeschrieben, der in ihnen produzierte Billigstrom verstopft die Netze und macht Gaskraftwerke unwirtschaftlich. Ein Video der Grünen Bundestagsfraktion erklärt das Thema gut. Daten zur aktuellen Stromproduktion, -export und Überkapazitäten gibt es hier.
  • Der Anteil der Erneuerbaren Energie am Strommix in Deutschland steigt stetig: Für 2017 liegt der Wert derzeit bei über 38%, im Jahr 2015 waren es noch gut 33,4%.

Was ist die Folge daraus?

Deutschland kann in den kommenden Jahren geordnet und rechtssicher aus der Braunkohle aussteigen. Dass kurzfristig zahlreiche alte Kraftwerke abgeschaltet werden könnten, haben auch die an der FDP gescheiterten Jamaika-Verhandlungen in Berlin gezeigt. Damit ist klar: RWE muss seine Abbau-Pläne in den Tagebauen reduzieren und der politischen Realität anpassen. Den Hambacher Wald abzubaggern ist unnötig, offenbar geht es RWE darum, seine Macht zu demonstrieren und dazu eine Eskalation in Kauf zu nehmen.

Aber haben die GRÜNEN NRW nicht der Abbaggerung des Hambacher Walds zugestimmt?

Die jüngste Landtagsdebatte zum Thema hat deutlich gezeigt: Allein die Grünen kämpfen hier gegen die Braunkohle – und das seit Jahrzehnten. Wir nehmen an Demonstrationen gegen die Kohle und für den Erhalt des Hambacher Walds teil und fordern öffentlich den Erhalt des Hambacher Walds.

In unserer Regierungszeit haben wir in der Koalition mit der SPD versucht, den weiteren Abbau zu verhindern. Erreicht haben wir, dass der Tagebau Garzweiler um 400 Mio. Tonnen Braunkohle verkleinert wurde und 1400 Menschen nicht mehr umsiedeln müssen. Das war eine erstmalige Verkleinerung eines Tagebaus, ein wichtiger Erfolg. In diesem Kompromiss war allerdings auch enthalten, dass wir die anderen bestehenden Pläne in den rheinischen Tagebauen akzeptieren. Angesichts der Pro-Kohle-Position der SPD kann man erahnen, wie schwierig es war, diesen Kompromiss auszuhandeln. Natürlich ist das nicht die 100%ige Umsetzung unseres Programms gewesen aber ein relevanter Etappensieg.

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