Beschluss der Landesdelegiertenkonferenz am 20. Juni 2026.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN NRW setzen sich dafür ein, die Deutsche Gebärdensprache (DGS) langfristig stärker als Bestandteil schulischer Sprachenvielfalt in Nordrhein-Westfalen zu verankern.
Dazu gehört insbesondere:
- DGS als mögliches Wahlpflicht-, Wahl- und AG-Angebot an Regelschulen weiterzuentwickeln,
- die Zusammenarbeit mit Volkshochschulen, Gehörlosenverbänden, Kompetenzzentren und Organisationen der Deaf Community auszubauen,
- Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte sowie Zugangswege für gehörlose Fachkräfte und Quereinsteiger*innen weiterzuentwickeln,
- sowie die Sichtbarkeit der Deutschen Gebärdensprache als Bestandteil sprachlicher, kultureller und inklusiver Bildung zu stärken.
Sprache ist Grundlage für Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und gegenseitiges Verständnis. Die Deutsche Gebärdensprache ist eine eigenständige und vollwertige Sprache. Für viele gehörlose und schwerhörige Menschen ist sie zentraler Bestandteil ihrer Lebensrealität, Kultur und Identität.
Trotz ihrer rechtlichen Anerkennung ist DGS im nordrhein-westfälischen Bildungssystem bislang nur eingeschränkt sichtbar – insbesondere an Regelschulen. Während Fremdsprachen wie Französisch, Spanisch oder Latein selbstverständlich zum schulischen Angebot gehören und einzelne Schulen darüber hinaus weitere Sprachen wie Niederländisch oder Russisch anbieten, bleibt der Zugang zur Deutschen Gebärdensprache bislang oft auf einzelne Projekte oder Förderschulen beschränkt.
Mit den neuen Rahmen- und Unterrichtsvorgaben für Deutsche Gebärdensprache hat Nordrhein-Westfalen 2024 einen wichtigen Schritt unternommen. DGS wurde curricular verankert und erstmals ausdrücklich auch für Schulen des Gemeinsamen Lernens geöffnet. Nun gilt es, diese Grundlage langfristig weiterzuentwickeln und DGS dort als schulisches Wahl-, Wahlpflicht- oder AG-Angebot zu ermöglichen, wo Schulen entsprechende Angebote aufbauen möchten.
Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN NRW gehört sprachliche Vielfalt zu einer modernen Bildungspolitik. Schüler*innen sollen die Möglichkeit erhalten, unterschiedliche Sprachen kennenzulernen und zu erlernen – unabhängig davon, ob diese gesprochen oder gebärdet werden.
Der Zugang zu Gebärdensprache stärkt nicht nur die Teilhabe gehörloser und schwerhöriger Menschen. Er fördert auch gegenseitiges Verständnis, baut Kommunikationsbarrieren ab und unterstützt inklusive Kompetenzen im (Schul)Alltag.
Bislang hängt der Zugang zu DGS häufig vom Engagement einzelner Lehrkräfte oder lokaler Initiativen ab. Deshalb braucht es langfristig flexible und kooperative Lösungen, damit Schulen einfacher DGS-Angebote aufbauen können. Nordrhein-Westfalen verfügt bereits über wichtige Strukturen, auf denen aufgebaut werden kann – darunter Volkshochschulen mit bestehenden DGS-Angeboten, Kompetenzzentren, Gehörlosenverbände, digitale Lernformate und regionale Bildungsnetzwerke.
Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit mit Gehörlosenverbänden und der Deaf Community. Gute DGS-Bildung entsteht nicht allein durch Lehrpläne, sondern auch durch sprachliche und kulturelle Begegnung.
Auch digitale und hybride Unterrichtsmodelle können dazu beitragen, Schulen beim Aufbau von DGS-Angeboten zu unterstützen und standortübergreifende Formate zu ermöglichen.
Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN NRW gehört dazu eine Bildungspolitik, die sprachliche Vielfalt sichtbar macht, Barrieren abbaut und neue Wege der Verständigung eröffnet – unabhängig davon, ob Sprache gesprochen oder gebärdet wird.
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