LaVo-Beschluss

Hitzeschutz ist Bevölkerungsschutz – Mehr Abkühlung für Nordrhein-Westfalen

Beschluss des Landesvorstandes vom 02.07.2026

Die Hitzewelle im Juni hat deutlich gemacht: Wir müssen uns besser auf Temperaturen, wie die der vergangenen Tage, die tagsüber über 35 Grad und nachts nicht einmal unter 21 Grad kamen, vorbereiten. Hitze dieser Intensität ist Realität und wird uns zukünftig in dieser Ausprägung immer wieder begegnen, dann auch für mehrere Wochen am Stück. Diese Hitze hat unsere Infrastruktur enorm herausgefordert und zum Beispiel Autobahnen gar unbefahrbar gemacht. Jeder Hitzetag verursacht für unsere Wirtschaft 431 Millionen Euro Einbußen. Und vor allem: Diese Hitze ist ein Risiko für die Gesundheit unserer Bürger*innen und unsere Daseinsvorsorge: Notaufnahmen sind überfüllt und Rettungskräfte arbeiten am Limit. Es fehlt an Kälteräumen und nötiger Ausstattung. Menschen sterben, weil sie keine Abkühlung finden. Das zeigt: Extreme Hitze bringt unsere Gesellschaft an ihre Grenzen. Die Klimakrise ist real. Und wieder einmal trifft diese Krise vor allem arme Menschen, ältere Menschen und insgesamt vulnerable Gruppen zuerst und ungleich härter.

Mit der Klimakrise werden Hitzewellen häufiger, länger und intensiver. Darauf müssen wir uns einstellen. Hitzeschutz ist deshalb eine zentrale Aufgabe der Daseinsvorsorge und des Katastrophenschutzes.

Deshalb fordern wir:

  1. Hitzeschutz als Teil des Bevölkerungsschutzes anerkennen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor extremer Hitze müssen künftig aus Mitteln des Sondervermögens Katastrophenschutz des Bundes finanziert werden können. Dazu gehören insbesondere:
    • Kommunale Not-Kälteräume, mobile Trinkwasserstationen und Trinkwasserwagen
    • Ertüchtigung von kommunalen Liegenschaften wie Bibliotheken etc. als Kühlräume für hilfsbedürftige Menschen
    • hitzeresiliente Ausstattung von Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz
    • Mobile Klimaanlagen für Notkrankenhäuser und Notfallunterkünfte

    Diese Infrastruktur schützt nicht nur an extremen Hitzetagen, sondern erhöht zugleich die Resilienz bei Stromausfällen, Waldbränden oder Störungen der Wasserversorgung.

  2. Hitzeschutz als neue Realität aktiv angehen Wir brauchen jetzt nationale Hitzeschutzpläne. Diese Hitzetage lassen es nicht zu, dass wir uns im föderalen Klein-Klein verlieren. Konkret muss es nun darum gehen, ein Förderprogramm für Klimaanlagen in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Schulen, Kindertagesstätten und ähnlichen Einrichtungen des öffentlichen Lebens aufzulegen. Gerade diese Einrichtungen müssen sich auf eine neue Klimarealität einstellen.Die Kombination von Photovoltaik, Batteriespeicher und energieeffiziente Kühlung und kälte-fähigen Wärmepumpen in öffentlichen Räumen sorgt dafür, dass auch bei extremer Hitze oder Stromausfällen geschützte öffentliche Räume zur Verfügung stehen. Finanziert werden sollte dieses Programm aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität, als zusätzliches Förderprogramm des Bundes. Das würde endlich eine belastbare Finanzierung durch den Bund bedeuten und die Länder und Kommunen nicht weiter alleine lassen.

    Allein in Nordrhein-Westfalen könnte davon ein Großteil der rund 5.400 Schulen, über 3.500 Pflegeeinrichtungen und mehr als 300 Krankenhäuser profitieren. Der Staat muss beweisen: Wir sehen die Alltagsprobleme der Menschen, wir kümmern uns und schaffen pragmatische Lösungen.

  3. Schatten für alle! Die Wohnung darf im Hochsommer keine Falle sein. Jeder Spielplatz, jeder Schulhof und jeder öffentliche Platz muss auch im Hochsommer nutzbar bleiben.Deshalb wollen wir:
    • Beschattung von Spielplätzen,
    • mehr Stadtbäume,
    • Trinkwasserspender,
    • Entsiegelung und Schwammstadtmaßnahmen,
    • kühlende Aufenthaltsflächen in dicht bebauten Quartieren

    Insbesondere Menschen in kleinen Wohnungen und dicht bebauten Mehrfamilien-Siedlungen sind der Hitze in besonderem Maße ausgesetzt. Hier braucht es nahe gelegene kühlende Orte. Wir wollen dicht bebauten Stadtteilen Vorrang bei der Förderung gewährleisten. In vielen dieser Quartiere leben überdurchschnittlich häufig Menschen mit geringem Einkommen und mit Migrationsgeschichte. Hitzeschutzmaßnahmen müssen grundsätzlich durch aufsuchende und mehrsprachige Informationsangebote ergänzt werden, damit Schutzwissen und Unterstützungsangebote tatsächlich bei den Menschen ankommen, die sie am dringendsten brauchen.

  4. Hitzeschutz im Wohnungsbau stärken Gerade Bewohner*innen von Dachgeschosswohnungen und Hochhäusern leiden besonders unter extremer Hitze. Deshalb soll das Land prüfen, wie Hitzeschutz im sozialen Wohnungsbau und bei der Sanierung von Mehrfamilienhäusern gezielt gefördert werden kann.Dazu gehören unter anderem Wärmepumpen, die auch als Klimaanlage funktionieren, außenliegender Sonnenschutz, Dach- und Fassadenbegrünung, Verschattung sowie klimaangepasste Bauweisen.

NRW geht voran

Die 2024 beschlossene NRW-Klimaanpassungsstrategie verfolgt das Ziel, NRW widerstandsfähiger gegen die unvermeidbaren Folgen der Klimakrise zu machen und Schäden für Mensch, Umwelt und Wirtschaft möglichst zu vermeiden. Nun hat die schwarz-grüne Landesregierung mit der Novelle des Klimaanpassungsgesetzes einen weiteren wichtigen Schritt unternommen. Künftig müssen alle Träger öffentlicher Aufgaben Klimaanpassung bei ihren Planungen berücksichtigen. Alle Kommunen werden verpflichtet, Klimaanpassungskonzepte aufzustellen. Dafür stellt das Land in den kommenden drei Jahren insgesamt 20 Millionen Euro bereit.

Viele Kommunen zeigen schon heute, wie erfolgreiche Klimaanpassung aussieht mit Hitzeaktionsplänen, Schwammstadt-Konzepten, Entsiegelung, mehr Stadtgrün und intelligenter Regenwasserbewirtschaftung. Diese guten Beispiele sollen künftig in ganz Nordrhein-Westfalen Standard werden.

Auch beim Zugang zu Trinkwasser geht das Land voran. Mit der Änderung des Landeswassergesetzes erleichtert die Landesregierung den Kommunen den Bau öffentlicher Trinkwasserbrunnen. Die Gesetzesänderung muss nun zügig beschlossen werden, damit Städte und Gemeinden ihre Infrastruktur schnell ausbauen können.

Unser Ziel

Wer Menschen vor den Folgen extremer Hitze schützt, rettet Leben und entlastet Krankenhäuser, Rettungsdienste und Feuerwehren. Hitzeschutz ist keine freiwillige Klimaanpassung – Hitzeschutz ist Bevölkerungsschutz und moderne Sicherheitspolitik. Und gleichzeitig muss klar sein: Präventiver Hitzeschutz ist Klimaschutz. Deswegen ist es so fatal, Klimaziele zu vertagen. Wer das tut, macht es heißer. Wir setzen uns mit aller Kraft ein, unserer Verantwortung beim Klimaschutz nachzukommen und fordern alle auf, es ebenso zu tun.

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